Geliebte Geschwister, vereint im Zweifel!
Seit dem 12. Jahrhundert feiert die Zweifelgemeinde ihre Messe im Theater, weil dort alles echt ist und nichts wahr sein muss. Deshalb bleiben wir unsicher.
Ausnahmslos alle Theolog*innen sagen, Zweifeln sei ganz normal und gehöre zum Leben dazu. Wieso fühlt es sich dann so an, wie es sich anfühlt? Wieso wirken die, die eine Gewissheit haben, dass es einen Himmel gibt, so sicher, so zu Hause, so ruhig? Und wieso können wir nicht glauben wie sie, obwohl wir es so gern würden?
Die Zweiflergemeinde vereint alle, die glauben wollen aber nicht können. Wir ziehen mit unserer Wanderkirche von Stadt zu Stadt und freuen uns, euch in Leipzig zu begrüßen.
Wir verstehen, unsere Zweifel führen zu nichts. Aber wir können sie nicht abschütteln. Vielleicht geht es euch ähnlich. Vielleicht zweifelt auch ihr, wenn nicht an Gott, dann an etwas Diesseitigem.
Wir laden euch ein, mit uns einen Moment im Zweifel zu verweilen,
im heiligen Jein.
Herzlich und zaudernd,
United in doubts !
Für die Zweiflergemeinde
Past/or Futur – Vorsitzende der Zweiflergemeinde
Caro & Elia
In diesen Tagen geben wir euch einige theologische und philosophische Zitate, die belegen, warum unser Zweifeln zum Scheitern verurteilt ist. Wir meditieren diese Sprüche seit Jahren und können trotzdem unsere Zweifel nicht überwinden:
In den Nächten, in denen Gaza bebte, als würde sich der Boden unter uns in Krämpfen winden, dachte ich an Radwa Ashours Bekenntnis: „Ich beschwöre diese Szene herauf, wenn mich die Verzweiflung überkommt. Ich sage mir, dass sie weder richtig noch erlaubt ist, denn ich gehöre zur Partei der Ameisen. Zur Partei des Strohhalms des Ertrinkenden – ich klammere mich daran und lasse ihn niemals aus meiner Hand. Zur Partei der klugen Frau, die mit dem Bein eines Esels spinnt.“ Ihre Bilder, seltsam und bescheiden, benennen genau das, was aus dem Glauben unter Belagerung werden kann: die Geduld der Ameisen, die unmögliche Lasten tragen, die absurde Beharrlichkeit, sich an einen Strohhalm zu klammern, die hartnäckige Arbeit, aus dem Unmöglichen einen Faden zu spinnen. Der Glaube in jenen Nächten: Er war so: zerbrechlich und widerspenstig, absurd und unentbehrlich, der Faden, der die Seele davor bewahrte, sich aufzulösen
Alaa Alqaisi
Heute war ich [...] noch mehr als gestern, ohne jeden Trost. Ich danke Jesus, der dies für meine Seele gut findet. Vielleicht würde ich, wenn Er mich tröstete, in diesem Glück verharren, aber Er will, dass alles für Ihn sei! … Oh ja, alles wird für Ihn sein, alles, selbst dann, wenn ich nichts fühle, das ich Ihm schenken kann. Dann gebe ich Ihm, wie heute abend, dieses Nichts!
Heilige Therese de Lisieux: Brief an Céline
Einführung in das Christentum Es gibt keine Flucht aus dem Dilemma des Menschseins. Wer der Ungewissheit des Glaubens entfliehen will, wird die Ungewissheit des Unglaubens erfahren müssen, der seinerseits doch nie endgültig gewiss sagen kann, ob nicht doch der Glaube die Wahrheit sei.
Joseph Ratzinger, Papst, Zweifler
Nächster Halt Wandermesse “OH FAITH”
LEIPZG 27.,28.,29.3. und 31.3.2026
RESIDENZ Schauspiel Leipzig
Schreibe an unser Zweiflermesse mit:
Sechs Fragen für Menschen, die nicht sicher sind.
https://form.typeform.com/to/n7j3jz4G
DEBATTENRUNDE
27.3.2026 nach der Premiere
Beginn: ca. 21:30. Dauer: ca. 60 min.
Im Anschluss an die Premiere bietet die Zweiflergemeinde noch an, an einer Debatte über Glaube und Zweifel mit Jun.-Prof. Dr. Bernadett Bigalke, Pfarrerin Sabine Wagner, Mitglied der Herrnhuter Bruderschaft Erdmann Carstens und Imam Umer Malik teilzunehmen.
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