Courage 2026 ! – Elia Rediger

Liebe Freundinnen und Freunde,

Courage 2026!
Ich schreibe euch aus jenem Zwischenreich, in dem Kunst entsteht: halb Labor, halb Beichtstuhl, halb Zauberküche. (Ja, ich weiß — drei Hälften. Aber wer auf der Bühne die Geometrie nicht beleidigt, hat sie noch nicht verstanden.) Seit Jahren versuche ich, die Wirklichkeit minimal aus ihrer Spur zu heben. Nur so weit, dass sie irritiert zurückschaut und säuselt: „Moment. Was war das gerade?“

Genau dort beginnt sie zu leben.

Ich möchte euch einladen, euch irritieren zu lassen.

Nicht als Dauerorgel der Aufregung. Nicht als algorithmische Empörungsschleife. Sondern als leise, gefährliche Verführung des Denkens. Ein geistiges Stolpern, das uns wach küsst. Wir alle stehen längst in Gewissheiten, die sich als Naturgesetze verkleiden. Die lebendige Kunst aber — unsere alte, wunderbare Komplizin — rehabilitiert den Irrtum. Sie erlaubt uns, falsch zu liegen. Würdevoll. Aufrecht. Und gerne.

Kierkegaard schrieb sinngemäß: Die Wahrheit wohnt im Paradox. Ich gehe weiter: Wahrheit braucht die Bereitschaft, sich lächerlich zu machen — wenigstens für einen Augenblick.

Und damit keine Missverständnisse bleiben: Ich spreche nicht von falschen Gutmenschenkampagnen für ironische Karrieristen. Nicht von bigotten, sich selbst zitierenden Pseudo-Marxisten, die den Diskurs wie ein Accessoire tragen. Kunst ist kein Feigenblatt der Gesinnung. Sie ist ein Risiko.

 

Requiem für Alice  –  für Streichquartett, Bassposaune und Politikerin. E.Rediger, Animation Michael von zu Mühlen

Mehr noch: Ich wünsche mir, dass die produktive Irritation wieder dorthin zurückkehrt, wo sie hingehört — in die Kunst. In die Literatur. Auf die Bühne. Die Politik hat sie längst kolonisiert und trägt sie wie ein Fallmesser im Mantel. Das reicht. Nehmen wir ihr dieses Werkzeug zurück. In der Kunst darf Irritation ein Heilmittel bleiben — eine Massage der Wahrnehmung.

Und vergessen wir nicht: Internationalismus ist kein romantischer Anachronismus, sondern eine Pflichtübung der Kultur. Gerade in Gesellschaften, die beginnen, sich selbst zu zerreißen.

Dabei steht uns eine weitere Verunsicherung ins Haus: die Androhung einer neuen Liminalität der Realität. Wenn die Künstliche Intelligenz — in ihrer kalten Geduld — beginnt, unser sakraler Spiegel zu werden. Vielleicht sogar unsere projizierte göttliche Hoheit. Dann sollte Kunst nicht verstummen, sondern schmunzeln — und die Fragen lauter stellen.

Ich glaube unbeirrbar an diese produktive Erschütterung. Rilke riet, in den Fragen zu wohnen. Artaud wollte die Ordnung erschrecken. Ich nenne es: ein zärtliches Erdbeben. Ein Riss, der Licht einschleust — und gelegentlich ein unanständiges Lachen.

Denn eines steht fest: Die Komödie darf nicht zur höflichen Maske des Autoritären werden. Das Lachen gehört den Ungehorsamen. Den Suchenden. Den Zweifelnden.

 

Foto HEALING HATE – Oper Leipzig November 2025

Foto Caravan of LUV – archive 2026, Vienna 2025. – Wiener Festwochen

Unsere Arbeit — und wahrscheinlich auch euer Grund, diese Zeilen zu lesen — ist Teil eines Experiments ohne Geländer. Wir werfen Gedanken, Formen, Zumutungen in die Welt. Ihr fangt sie auf, widersprecht, verwandelt, lasst sie liegen. Das genügt. Mehr verlangt Kunst nicht.

Lasst uns also mutig danebenliegen. Elegant scheitern. Mit Stil irren.

Danke für eure Bereitschaft, euch irritieren zu lassen — klug, wach, solidarisch und ohne falsche Masken.

 

Mit herzlicher Respektlosigkeit
und einem lachenden Stirnrunzeln aus dem Maschinenraum der Fantasie,

Euer Team Int Int Irrit

Elia Rediger
Regisseur in produktiver Unruhe

OH FAITH – Vereint im Zweifel – Premiere 27.März 2026. Residenz Schauspiel

Gesangsbuch zu OH FAITH – einem Abend über die älteste Gemeinde der Menschheit: den Zweifler.

Unsere Zweiflermesse OH FAITH (OH GLAUBE DOCH) hat am 27.März Premiere am Schauspielhaus Leipzig Residenz. Caravan of LUV wird weiterhin im 2026/2027 durch Theater- und Festivalhäuser touren. Mit zukünftigen Projekten wie Village People (2027) kommt eine Vergeschwisterung zwischen zwei Dörfer zwischen Oberlausitz und Katanga auf uns zu. Für unsere weiteren Opern-, Film und Festivalideen, oder auch Custom zugeschnittenen Formate verabreden wir uns gerne mit unserem Team.  
info@intintirrit.net

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